23. Spieltag: SG Kaarst – SSV Grefrath 2:7 (1:5)

Geschrieben von Stephan Seeger am in 1. Mannschaft

Die Schießbude der Liga

(seeg) Die SG Kaarst ist derzeit die Schießbude der Bezirksliga. Beim 2:7 (1:5) gegen den SSV Grefrath kassierten die Blau-Weißen die Gegentore elf bis 17 in den letzten drei Partien. 

Schlimmer als das Heimspiel gegen Mennrath kann es eigentlich nicht werden, haben viele Kaarster Zuschauer nach dem 3:7 gegen Mennrath vor zwei Wochen sicher gedacht. Dass es noch schlimmer geht, stellten die Blau-Weißen am vergangenen Sonntag allerdings unter Beweis. Gegen Grefrath schoss die SG ein Tor weniger als gegen Mennrath und kassierte genau so viele. Zwischen den beiden Heimklatschen gab es ein 3:3 in Willich - damit kassierte die SG in den vergangenen drei Partien 17 Gegentore. Ein Debakel.

"Man kann es auch noch deutlicher formulieren. Fünf Spiele nach der Winterpause, 23 Gegentore, ein Punkt. Mehr als eine ernüchternde Bilanz", sagt ein enttäuschter Trainer Yasar Kurt. Schon nach dem letzten Spiel 2017 gegen St. Tönis war dem Trainerteam klar, dass es in dieser Saison nur darum geht, so schnell wie möglich die 40-Punkte-Marke zu knacken, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. "Ich hoffe, das ist jetzt bei jedem im Verein angekommen", mahnt Kurt, der auch die Tabelle lesen kann: Denn der Abstand auf den ersten Abstiegsplatz, den derzeit der VfL Willich belegt, ist auf sechs Punkte geschrumpft. 

Dabei muss man Kurt und seinem Co-Trainer Sascha Polensky auch zugute halten, dass die personelle Situation in den vergangenen Wochen für eine Bezirksligamannschaft schon ziemlich schwierig ist. "Sich Woche für Woche durchzumogeln und bis zum Wochenende eine schlagfertige Mannschaft zusammenzustellen, geht wie in der Hinrunde zwar phasenweise mal gut. Aber nicht dauerhaft. Das zeigt auch die Statistik der eingesetzten Spieler", sagt Kurt. 30 Akteure kamen bei der SG in dieser Saison bereits zum Einsatz. Zum Vergleich: Der 1. FC Köln ist mit 29 eingesetzten Spielern derzeit zumindest Bundesliga-Spitzenreiter in dieser Kategorie. 

Das Spiel gegen Grefrath ist trotz neun Treffer schnell erzählt. "Wir sind gut ins Spiel reingekommen und hatten in den ersten zehn Minuten gleich zwei gute Chancen. Da müssen wir in Führung gehen, machen es aber nicht", erinnert sich Kurt. Die Gäste dagegen trafen mit der ersten Gelegenheit. Nach einem Fehler in der Kaarster Defensive erzielte Michael Funken, vor dem Kurt vor der Partie explizit gewarnt hatte, die Führung (11.). 13 Minuten später traf Funken erneut zum 0:3, zwischenzeitlich hatte Lukas Stiels für Grefrath getroffen. Andre Speer verkürzte in Minute 32 zwar, doch noch vor der Pause entschieden Dennis Hoffmann und Philipp Alker die Partie endgültig zugunsten der Gäste. "Nach dem 0:2 haben wir die Riesenchance, zu verkürzen, doch Alex Cule scheitert an der Latte. Im Gegenzug trifft Grefrath. Das ist die Geschichte des Spiels", sagt Kurt. 

Zur Pause war trotz des deutlichen Ergebnisses der Wille der Hausherren noch spürbar, die Partie irgendwie noch zu drehen, denn so viel besser war Grefrath nicht. Die Gäste waren aber an diesem Tag eiskalt vor dem Tor. Nach zwei unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen im zweiten Abschnitt kassierte die SG in Person von Funken und Alker die Gegentreffer sechs und sieben, spätestens da war der Ofen aus. "Die Niederlage haben wir uns selbst zuzuschreiben. Wir haben taktisch nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Die Gegentore fallen zu einfach nach langen Bällen oder durch Fehler im Spielaufbau", kritisiert Kurt. "Und vorne fehlt der Willen und die Geilheit auf das Tor. Das Spiel hätte auch 10:8 ausgehen können, aber so gibt es nichts schönzureden", sucht Kurt nicht nach Ausreden.

Viel Zeit zum Nachdenken hat die SG allerdings nicht, schon am Mittwoch geht es bei der DJK Gnadental weiter - und Kurt erwartet dort einen stärkeren Gegner als Grefrath. "Die haben mindestens drei Spieler, die den Unterschied ausmachen können, da müssen wir uns in der Defensive wirklich zusammenreißen", sagt Kurt. "Für uns wird es Zeit zu punkten, auch wenn aktuell niemand auch nur einen Pfifferling auf uns setze", sagt Kurt. Doch vielleicht liegt genau darin die große Chance.